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Briefe nach DIN5008A

Immer wieder wird gerne behauptet, man könne mit KOMA-Script keine Briefe nach DIN5008 schreiben. Das ist natürlich Unfug. Einstellungen für den Briefbogen nach der DIN5008 zugrunde liegende ältere DIN676 werden in Form von DIN.lco und DINmtext.lco ja bereits mit KOMA-Script mit geliefet. Da außerdem der Briefbogen bei KOMA-Script vom Satzspiegel vollkommen unabhängig definiert ist, kann man natürlich beispielsweise mit Paket geometry auch den Satzspiegel entsprechend DIN5008 einstellen – ganz unabhängig davon, ob das typografisch sinnvoll ist oder nicht. Alles zusammen lässt sich ggf. auch in eine LCO verpacken.

Obwohl ich selbst mich ganz bestimmt auch in Zukunft nicht an DIN5008 halten werde, habe ich für Variante A nach DIN5008 einmal eine passende LCO-Datei erstellt. Diese LCO-Datei verwendet bereits Option addrfield=topaligned, die es seit KOMA-Script 3.17 gibt. Wer die Datei ausprobieren will und nicht in der Lage ist, auf ein halbwegs aktuelles KOMA-Script zu aktualisieren, kann die Option aber auch aus der LCO-Datei entfernen (nur darf er sie dann nicht mehr weitergeben!). Er muss dann aber bei weniger als 6 Adresszeilen selbst mit leeren Zeilen auffüllen, um eine nach DIN5008 oben ausgerichtete Anschrift zu erhalten.

Im Beispiel wird übrigens kein Info-Block verwendet, sondern eine nach DIN5008 AFAIK noch immer mögliche Geschäfts-/Infozeile. Wie man bei Bedarf einen Infoblock erstellt, wurde bereits früher ausführlich behandelt.

%\RequirePackage{filecontents}
\begin{filecontents*}{DIN5008A.lco}
%
% This is file `DIN5008A.lco'.
% Copyright (c) 2015 Markus Kohm [komascript at gmx info]
% 
% This file may be distributed and/or modified under the conditions of
% the LaTeX Project Public License, version 1.3c of the license.
% The latest version of this license is in
%   http://www.latex-project.org/lppl.txt
% and version 1.3c or later is part of all distributions of LaTeX
% version 2005/12/01 or later.
%
% This work has the LPPL maintenance status "maintained".
%
% The Current Maintainer and author of this work is Markus Kohm.
%
\immediate\write17{^^J%
+----------------------------------------------------------------------^^J%
| WARNING (`DIN5008.lco'):^^J%
+----------------------------------------------------------------------^^J%
| YOU SHOULD NOTE, THAT THIS IS NOT AN EARLY BETA RELEASE!^^J%
| THIS VERSION IS INTENDED TO BE USED FOR TESTING ONLY!^^J%
| USAGE FOR PURPOSES OTHER THAN INTENDED IS DANGEROUS!^^J%
| DON'T EXPECT ANY SUPPORT FOR THIS VERSION!^^J%
+----------------------------------------------------------------------^^J%
}
\ProvidesFile{DIN5008A.lco}[2015/02/16 v0.1-beta letter-class-option]
\LoadLetterOption{DINmtext}
\KOMAoptions{fromalign=locationleft,addrfield=topaligned,refline=narrow}
\@setplength{firstheadhpos}{25mm}
\@setplength{firstheadwidth}{100mm}
\@setplength{specialmailindent}{5mm}
\@setplength{specialmailrightindent}{0pt}
\@setplength{toaddrindent}{5mm}
\@setplength{lochpos}{-125mm}
\@setplength{locvpos}{32mm}
\@setplength{locwidth}{75mm}
\@setplength{refvpos}{\dimexpr\useplength{tfoldmarkvpos}-32pt}
\@setplength{refaftervskip}{8.46mm}
\@newplength{specialmailheight}
\@setplength{specialmailheight}{12.7mm}
\newcommand*{\textareabydin}{%
  \areaset{165mm}{233mm}%
  \setlength{\oddsidemargin}{\dimexpr 25mm-1in}%
  \setlength{\evensidemargin}{\dimexpr 20mm-1in}%
}
\renewcommand{\backaddr@format}[1]{\hspace*{\useplength{toaddrindent}}%
  \parbox[t][\useplength{backaddrheight}][t]%
         {\dimexpr\useplength{toaddrwidth}-\useplength{toaddrindent}}%
         {\strut\ignorespaces #1\unskip\strut}%
}
\renewcommand{\specialmail@format}[1]{%
  \parbox[t][\useplength{specialmailheight}][t]%
         {\dimexpr\useplength{toaddrwidth}-\useplength{specialmailindent}-\useplength{specialmailrightindent}}%
         {\strut\ignorespaces #1\unskip\strut}%
}
\setkomafont{specialmail}{\sffamily\fontsize{10pt}{12pt}\selectfont}
\setkomafont{backaddress}{\sffamily\fontsize{8pt}{10pt}\selectfont}
\setkomafont{addressee}{\sffamily\fontsize{10pt}{12pt}\selectfont}
\setkomafont{fromname}{\sffamily\fontsize{10pt}{12pt}\selectfont}
\setkomafont{fromaddress}{\sffamily\fontsize{10pt}{12pt}\selectfont}
\setkomafont{refvalue}{\sffamily\fontsize{10pt}{12pt}\selectfont}
\let\raggedsignature\raggedright
\end{filecontents*}
 
\documentclass[fontsize=12pt,fromphone,fromfax,fromemail]{scrartcl}
\usepackage[utf8]{inputenc}
\usepackage[ngerman]{babel}
\usepackage{lmodern}
\usepackage{scrletter}
\LoadLetterOption{DIN5008A}
\textareabydin% Satzspiegel und Ränder nach DIN aktivieren.
 
\setkomavar{backaddress}{Rücksendeadresse}
\setkomavar{yourref}{abc-01}
\setkomavar{yourmail}{2013-04-23}
\setkomavar{myref}{mihh-00}
\setkomavar{fromname}{Max Muster}
\setkomavar{fromaddress}{Musterhaus 1\\99999 Musterstadt}
\setkomavar{fromphone}{040~1234-5678}
\setkomavar{fromfax}{040~1234-7890}
\setkomavar{fromemail}{max.muster@invalid.invalid}
\setkomavar{date}{2013-04-30}
 
\usepackage{mwe}
 
\begin{document}
 
\setkomavar{specialmail}{VZ3\\VZ2\\VZ1}
 
\begin{letter}{AZ1\\AZ2\\AZ3\\AZ4\\AZ5\\AZ6}
\opening{Sehr geehrte Damen und Herren}
\Blindtext
\closing{Mit freundlichen Grüßen}
 
\end{letter}
 
\end{document}

Die Datei DIN5008A.lco wird dann beim LaTeX-Lauf erzeugt und kann natürlich auch für andere Dokumente verwendet werden, ohne dass man sie dort in eine filecontents-Umgebung kopiert.

Natürlich könnte man ganz ähnlich auch die Variante B erstellen. Das überlasse ich denjenigen, die es wirklich brauchen. Ich brauche es nicht.

Achja: In Abweichung zu DIN5008 beginnt der Bereich für den Briefkopf nicht am oberen und linken Papierrand (das erschien mir dann doch etwas sehr merkwürdig), sondern lediglich die Breite ist gemäß DIN5008 stark beschränkt. Wer unbedingt will kann natürlich den Briefkopfbereich auch am linken und oberen Rand beginnen lassen. Dann ist natürlich firstheadwidth wieder auf 125mm zu setzen.

Den gewünschten Fuß mit Gesellschaftlichen Angaben, ggf. weiteren Adressinformationen, Bankverbindung, Ust-IdNr, Gesellschafter, HRB-Nummer etc. ist natürlich individuell über Variable firstfoot zu setzen. Ebenso kann man die Form der Seitennummerierung beliebig anpassen.

Kommentare

»Obwohl ich selbst mich ganz bestimmt auch in Zukunft nicht an DIN5008 halten werde, […]«

Warum nicht? Das klingt so, als wären die Vorgaben aus dieser DIN grauslig (ich kenne sie nicht).

Weil ich keine DIN-Vorschrift über das Schreiben von Texten kenne, die meinen typografischen Ansprüchen genügt, und DIN676 vollkommen ausreicht, um die technischen Notwendigkeiten zu bedienen. Ich bin keine DIN durchgestylte Firma und kann deshalb Freiheiten nutzen, statt mich in ein Einheitskorsett zu zwängen. Überhaupt sind diverse Punkte der DIN klar auf Firmen zugeschnitten, nicht auf natürliche Personen, die mit Firmen korrespondieren.

Übrigens: Die meisten Briefe von Firmen, die ich bekomme, halten sich auch nicht daran, sondern legen Wert auf eine gewisse Individualität. Ein Teil davon macht das richtig gut. Diverse gehen in die Richtung, die im KOMA-Script-Buch mit asymTypB.lco skizziert wird.

Zu den wenigen Briefen in meinem Briefkasten, die DIN5008-konform sein dürften, gehören solche von einigen Ämtern. Die zeigen dann auch gerne, wie man es aus typografischer Sicht ganz bestimmt nicht machen sollte.

Aber das ist an dieser Stelle letztlich unerheblich. Ich habe nicht vor, meine Briefe so zu erstellen. Daher brauche ich das auch nicht. Ich habe es (wieder einmal) trotzdem zumindest skizziert und werde es eventuell in Zukunft noch weiter ausführen und eventuell sogar in KOMA-Script einbauen, weil es Leute gibt, die immer und immer wieder danach fragen oder sogar behaupten, man könne mit KOMA-Script keine DIN5008-konforme Briefe erstellen. Da man bei KOMA-Script die Maße des Briefbogens recht frei bestimmen und die Ränder für den Textbereich absolut frei wählen kann, kann man scrlttr2 und scrletter natürlich auch an DIN5008 anpassen. Es gibt dazu teilweise sogar unterschiedliche Wege.

Seit heute erzeugen die Quellen nebenbei auch DIN5008A.lco und DIN5008B.lco. Betatester, die sich KOMA-Script aus den aktuellen Quellen erzeugen, können diese also mit testen. Allerdings seien die beiden Dateien ausdrücklich noch als Alpha deklariert. Es gibt keinerlei Garantie, dass sie in der nächsten Version von KOMA-Script enthalten sein werden. Ich rechne stark damit, dass wieder diverse DIN-Fetischisten sich über den einen oder anderen Punkt beschweren würden. Und natürlich werden dabei zwei Leute min. drei miteinander unverträgliche Punkte unbedingt anders haben wollen. Darauf habe ich eigentlich wenig Lust.

Ich finde diese Briefvorlage gut, aber ich vermisse die Linie unter der Rücksendeadresse. Auch wenn diese in DIN5008 nicht vorgesehen ist – wie ließe sie sich erzeugen?

\renewcommand{\backaddr@format}[1]{\hspace*{\useplength{toaddrindent}}%
  \underline{%
    \parbox[t][\useplength{backaddrheight}][t]%
           {\dimexpr\useplength{toaddrwidth}-\useplength{toaddrindent}}%
           {\strut\ignorespaces #1\unskip\strut}%
  }%
}

Wobei dann die Linie ggf. zu lang (nämlich auch länger als der tatsächlich gedruckte Text) oder zu kurz (nämlich nicht über die ganze Breite des Fensters, sondern links bündig mit dem Textbeginn) sein kann, ganz davon abhängig, was man tatsächlich will.

Außerdem sitzt die Linie eventuell tiefer als man das gerne hätte (nämlich unter dem Bereich für die Rücksendeadresse statt wirklich direkt unter dem Text für die Rücksendeadresse). Auch das hängt vom Auge des Betrachters ab.

Wenn man sich schon an diese DIN halten will, sollte man das IMHO insgesamt tun.

Das klappt wunderbar! Ich habe nur die Dicke der Linie ein bisschen angepasst. Die Länge der Linie stimmt, wenn man es so macht:

\renewcommand{\backaddr@format}[1]{\hspace*{\useplength{toaddrindent}}%
	\uline{%
%		\parbox[t][\useplength{backaddrheight}][t]%
%		{\dimexpr\useplength{toaddrwidth}-\useplength{toaddrindent}}%
		{\strut\ignorespaces #1\unskip\strut}%
	}}%

Die Präambel muss natürlich noch ergänzt werden durch:

\usepackage{ulem}
\renewcommand{\ULthickness}{0.5pt}

Mir persönlich geht es gar nicht so sehr um DIN 5008, aber ich finde das Ergebnis hier gut.

Mir ist außerdem noch aufgefallen, dass Briefe im DINmtext Parametersatz sehr gut auch in ein C4 Kuvert passen (die Adresse sitzt im Fenster) – im scrguide steht, dass sie nur für C6 und C6/5 (C6 lang) geeignet sind. Nützlich wäre im scrguide außerdem der Hinweis, dass man den Briefkopf bei Verwendung eines C4 Kuverts immer rechts setzt – da das Fenster größer ist, ragt der Briefkopf sonst in der Tat in das Anschriftfenster (auch bei DIN) – zumindest wenn der Briefkopf Adresse, Mail und Telefon enthält.

ulem definiert in der Voreinstellung \em um, was beispielsweise immer wieder zu Fragen in Foren führt, warum der Titel im Literaturverzeichnis unterstrichen wird. Also ggf. mit Option normalem laden, also

\usepackage[normalem]{ulem}

verwenden.

Durch den Verzicht auf die \parbox gehorcht bei Dir übrigens die Anschrift nicht mehr DIN.

Vielen Dank für die Hinweise. Mir ist aber eine einfache Lösung eingefallen. Warum soll man das nicht einfach mit:
\setkomavar{backaddress}{\uline{Rücksendeadresse}}

erledigen?

Du kannst auch einfach den Code zur Änderung der Formatierung der Rücksendeadresse heraus nehmen. Das gibt dann auch eine unterstrichene Rücksendeadresse und führt ggf. zu einer vertikalen Abweichung bei der Platzierung. All diese Änderungen sind aber Verstöße gegen DIN5008A und damit gegen das Thema dieses Downloads. Wenn man schon an der Stelle gegen die DIN verstößt.

Wie erwähnt: Ich habe keine Lust auf 100 Änderungsnachfragen dazu. Wenn Du es nicht so wie nach DIN haben willst, dann mach einfach, was Du willst. Wenn Du machen willst, was Du willst, dann brauchen wir nicht darüber zu diskutieren, warum man dies oder jenes nicht tun sollte.

Du siehst das sehr grundsätzlich. Mein Ziel war es, die Rücksendeadresse zu unterstreichen, ohne an der vertikalen Ausrichtung etwas zu ändern. Du kannst natürlich sagen, dass das dann nicht mehr DIN 5008 entspricht. Aber Du sagst ja selber, dass die meisten Firmen sich nicht sklavisch an DIN 5008 halten, sondern sich gewisse Freiheiten erlauben. Nun: ich wollte halt die Ausrichtung des Adressfeldes gerne beibehalten und nur…
Aber es ist ja auch egal – wichtiger ist (vielleicht) mein Hinweis mit DINmtext und der Verwendung des C4 Formats.

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