Ignorante Männer und starke Frauen

Sport und Technik sind Männerdomänen, Frauen tun sich darin eher schwer.

So zumindest die Ansicht einiger Männer. Aber ist das wirklich so? Tatsache ist, dass bei der Fußball-WM der Herren die meisten Jungs und Männer zwischen 6 und 88 die Spieler an ihren Bewegungen erkannte. Fragt man heute in einer Fußgängerzone nach den Namen der Spielerinnen unserer Frauenschaft, so fällt gerade mal noch der Name »Prinz« – und das bei 9 Punkten nach der Vorrunde! Ein Mann sagte dann auch noch »Gibt es da nicht auch noch eine Frings?«! Nein, mein Herr, die Sportlerin heißt Grings! Und wo überhaupt sind die Fähnchen an Ihrem Auto?

Und ich selbst, nun ich kenne außer Prinz immerhin Angerer, da Mbabi, Schmidt, Müller, Grings, Krahn, Laudehr, Peter, Popp, Goeßling und die Fatmire, deren Nachname ich mir allerdings weder merken noch aussprechen kann. Mit etwas Nachdenken finde ich vielleicht auch noch die eine oder andere mehr. Die Trainerin heißt übrigens Neid. Tja und die Vornamen dazu, nun in einigen wenigen Fällen bekomme ich auch den zusammen, aber wirklich toll ist das natürlich nicht. Und wenn man mich dann fragt, wo denn die Damen spielen – »in irgendwelchen Fußballmannschaften« – weniger eine schlaue als eine dumme Antwort. Immerhin: Für die fehlenden Fähnchen am Auto habe ich ebenso eine gute Ausrede wie für die fehlende Fahne im Garten. Zum einen habe ich gar kein Auto und die Fahne im Garten wurde uns während der Fußball-WM der Herren geklaut! Sonst hätte ich die sehr gerne wieder aufgestellt. Bei der nächsten Fußball-WM besorge ich auch eine neue – versprochen.

In der Technik ist es ganz ähnlich. Männerberufe! Dass ich nicht lache! Richtig ist, dass es beispielsweise im Bereich TeX sehr, sehr viel mehr Männer als Frauen gibt. Das ist aber nicht so verwunderlich. In Mathematik, Informatik, den Ingenieursberufen und damit der vordergründigen Domäne von TeX gibt es nun einmal mehr Männer.

Aber werfen wir doch einmal einen Blick darauf, wie sich die Männer dabei benehmen. Ein Mann hat ein Problem. Also ruft er raus: »Hey, da hat wer was falsch gemacht! Warum funktioniert das nicht?« Was nicht funktioniert? Das dürfen wir raten.

Die durchschnittliche Frau schaut hingegen noch einmal genauer hin, fragt sich, was sie falsch gemacht hat. Dann sucht sie, wie es richtig geht. Weil die Männer das aber alles so umständlich erklären, muss sie dann überlegen, ob und wo sie das auch nochmal nachfragen kann. Dann kontrolliert sie, ob sie auch alle Bedingungen erfüllt hat und überlegt, wie sie die Frage am besten stellen kann. Zum Schluss entschuldigt sie sich noch, dass sie überhaupt LaTeX verwendet und bedankt sich für die Hilfe, die sie noch gar nicht erhalten hat.

Ja, Frauen sind anders als Männer. Nicht zwangsläufig besser, aber ich habe sie in meinen Berufszweigen häufig als sorgfältiger und weniger oberflächlich, vor allem aber häufig als gnadenlos unterschätzt kennen gelernt. Übrigens könnte ich auf Anhieb mehrere Frauen nennen, die für die TeX-Gemeinde von unschätzbarem Wert sind.

Männer! Traut den Frauen endlich etwas zu, würdigt ihre Leistungen und schaut Euch auch einmal etwas von ihnen ab!

Frauen! Traut euch noch mehr zu, denn ihr könnt es und lasst euch von den Männern nicht beirren!

Bis demnächst
Markus

PS: Ich habe gestern vergeblich versucht, eine Radioübertragung des Spiels der Deutschen Fußball-Frauen zu finden. Ich erwähne das nur von wegen der Grundversorgung für die wir alle bezahlen müssen – auch die Frauen.

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