Zeitenwandel

Nächstes Jahr sind es 30 Jahren, dass ich Software schreibe und weiter gebe. Damals war OpenSource nicht so wichtig wie kostenlos. Frei haben wir das trotzdem genannt oder Public Domain. Heute ist OpenSource wichtiger als kostenlos und viele verwechseln beides nur deshalb wieder, weil sie OpenSource-Software in der Regel auch kostenlos bekommen.

Früher gingen wir mit einer Kassette zu einem Kumpel und haben uns zwanzig Mal bedankt, wenn wir nach einer Stunde endlich eine fehlerfreie Kopie und eine Kurzeinführung in die wichtigsten Funktionen hatten. Heute laden sich die Leute in 10 Sekunden die Software samt 396 Seiten Handbuch (die zusätzlichen Anleitungen für tocstyle, scrjura etc. nicht mitgerechnet) von irgendwelchen Servern herunter und beschweren sich, wenn man sie nicht auf Händen dafür trägt, dass sie etwas in der Anleitung nicht gefunden haben.

Früher mussten wir Briefe schreiben, um mit den Autoren von Software in Kontakt zu kommen, haben frankierte Rückumschläge beigelegt und uns tierisch gefreut, wenn wir nach ein paar Wochen eine Antwort bekommen haben. Heute wird nach den Autoren gegoogelt und wir schicken ihnen mal eben eine E-Mail oder schreiben etwas in ihren Bug-Tracker oder ein Forum und sind sauer, wenn nach einer Stunden noch immer keine Antwort eingetroffen ist.

Ist die Welt deshalb schlechter geworden? Nein, nur anders.

Vielen Dank übrigens den drei Anwendern, die in den letzten Wochen fleißig ihre Zeit investiert haben, um die nächste Auflage des KOMA-Script-Buchs zu korrigieren. Das ist etwas, was es früher aus zwei Gründen nicht gab: Die schnelle Kommunikationsmöglichkeit gab es nicht, und mehrere hundert Seiten Anleitung hätten wir ohnehin nie geschrieben.

Manches ist also tatsächlich einfach nur besser geworden.

In diesem Sinne
Markus

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